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TAG 5 - ENERGIE UND AUFREGUNG PUR

Da war er wieder. Der Schmerz im Rücken. Unterer Lendenwirbelbereich, mal links, mal rechts. Diesmal rechts. Ich hatte ein paar Tage Ruhe vor ihm. Beim Tennis gestern Abend war er wieder da. Zeig mir ruhig, dass ich alt werde ;-)


Ich war gestern bis spät abends fest entschlossen noch raus zu gehen. Einmal im Monat so richtig abdancen. 3 bis 4 Stunden nonstop durchtanzen, weil der DJ so gute Musik auflegt. Augen zu und einfach der Musik folgen und in eine andere Welt abtauchen. Warme Dusche, ein paar super Dehnübungen und Schmerzsalbe, dann wird´s schon. Pustekuchen. Es wird immer schlimmer. Ich sage den anderen ab. Ich hätte keinen Spass heute Abend. Es soll wohl nicht sein. Dabei hatte ich mich doch so sehr darauf gefreut.


Und was jetzt? Wir haben zehn Uhr abends und ich bin noch fit. Mein Kopf war auf Rausgehen programmiert. Nicht auf's schlafen gehen. Dann  die Idee. Der Blog! Ich könnte doch schon mal eine Domain auswählen und einfach schon mal loslegen. Ich habe einen hohen Bartisch, daran kann ich sicher im Stehen und ohne Schmerzen schreiben und arbeiten.


Meine erste Wunsch-Domain-Adresse war sofort frei. Innerhalb von fünf Minuten wurde Sie bestätigt. Das ging ja schnell. Die grobe Richtung wusste ich bereits, einen ersten Musterabsatz aufgebaut, ein bisschen mit dem Layout herumgespielt und dann ging es los. Ich hatte einen Flow. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Zwischendurch immer wieder ein paar Optimierungen bis ich glücklich und zufrieden, abgesehen von den Rückenschmerzen natürlich, ins Bett ging. Es war schon halb drei morgens... krass wie die Zeit vergeht.

 

Relativ früh morgens war ich so aufdreht und stolz auf mein Ergebnis, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ich habe "mal eben" einen Blog auf die Beine gestellt. Ich freue mich schon jetzt den Blog weiter zu schreiben. Der Tag 5 steht an. Was wird heute alles passieren? Was mache ich aus diesem Tag? Was kann ich von meinem "Heute" berichten? Was nehme ich für neue Erkenntnis mit aus diesem Tag? So breit grinsend und voller Vorfreude auf den Tag, das habe ich schon lange nicht mehr so empfunden. Selbst bei meiner Hochzeit damals nicht. Ich freu mich. Schnell frühstücken und los gehts. Die Texte nochmal überflogen, die Formatierung nochmal ein wenig angepasst. Jetzt bin ich zufrieden. Der Grundstein ist gelegt.

 

Vermutlich war es eine dezente Ablenkung davor meinen Chef eine Nachricht zu schicken. Eine schöne Ablenkung. Ich muss aber nun dadurch. Ich will und muss ja etwas verändern. Also muss ich meine Angst überwinden. Meine Angst vor dem Ungewissen. Ich schreibe eine Whatsapp Nachricht vor, bekomme beim Schreiben direkt wieder eiskalte Hände. Ich merke, dass mein Herz gefühlt bis unter dem Hals schlägt. Ich bin mega aufgeregt. Ich rufe schnell noch meine beste Freundin Alina an. Will mir den Segen geben lassen, dass ich die Nachricht tatsächlich so abschicken kann. "Klasse geschrieben, mach das so" sagte sie. "Schreib vielleicht noch rein, dass Du Dich aus beruflichen Gründen mit ihm treffen willst", ich muss lachen. Eigentlich steht nicht viel in dieser Nachricht drin. Ich will ja erstmal nur ein Gespräch mit ihm unter vier Augen und gerne außerhalb der Firma haben. Mehr nicht. Ich weiss ja noch nicht, wo meine Reise hingeht. Vielleicht hat mein Chef noch eine ganz andere Idee an die ich nicht denke.

 

Ich schicke die Nachricht nicht sofort ab. Ich fahre mit meinem Papa gleich ins Krankenhaus zu meiner Mutter. Sie wurde gestern am Knie operiert. Ist alles gut verlaufen. Damit mein Papa mit seinen fast 80 Jahren nicht alleine fahren muss, habe ich beschlossen, dass wir zusammen fahren. Sobald ich wieder im Arbeitsalltag bin, muss er sowieso ganz oft alleine fahren.


Da die Möglichkeit besteht, dass mein Chef mich anruft, wäre es ungüstig, wenn ich mit Papa im Auto über Freisprechanlage mit ihm teleniere. Ich stelle mir gerade die Situation bildlich vor. Ich muss grinsen, wenn ich mir das Gesicht von Papa vorstelle. Meine Eltern wissen nichts von meinen Gedanken und meinem Entschluss. Für sie steht die Sicherheit im Vordergrund. Der Gedanke würde sie nicht glücklich machen. So vermute ich es zumindest. Sie würden sich nur unnötig Sorgen machen. Das muss nicht sein. Mutti soll sich erstmal auf ihre Genesung konzentrieren.

Ich habe das Gefühl, sie ahnen schon etwas. Dieses Jahr ist noch nicht lang. Mutti fragt mich allerdings schon zum dritten Mal, was es Neues gibt. So oft hat sie es in den letzten vier Monaten nicht gefragt. Erzähle ich dort gerade weniger als üblich? Hat sie einen gewissen Mutterinstinkt, dass bei Ihrer Tochter gerade etwas verändert? Ahnt sie etwas?

 

Ich bin so stolz auf meinen Blog, dass ich den Link direkt an meine besten Freundin Alina, an meinen Buddy Dana und an meinen Coach Danilo schicke. Sie waren die Ersten, die meine ersten Seites meines Tagesbuches lesen durften. Sie sollen ruhig sehen, zu was sie mich anspornen. Was für eine Energie auf einmal in mir steckt. Ich bin auf das Feedback gespannt. Je mehr Tipps ich noch im Vorfeld erhalte, um so besser kann ich diesen Blog weiterschreiben und optimieren.

 

Die Resonanz ist wahnsinnig. Ihr seit wahnsinnig. Ich bin total geflasht. Damit habe ich nicht gerechnet. Soviel gailen Zuspruch, so tolle Sprachnachrichten. Ich bin richtig richtig gerührt, habe Gänsehaut, ein breites Grinsen um den ganzen Kopf rum, mein Herz pocht, ich habe Freudentränen in den Augen. Die Sprachnachrichten höre ich über den ganzen Tag verteilt an und schreibe weiter. Ihr seit grossartig! Danke, danke, danke!!!! 

Ihr lasst mir gerade Flügel wachsen. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ein ganz neues Gefühl, wo ich grad gar nicht weiss, wie ich damit umgehen soll. So fühlt es sich also an, wenn man etwas macht, was richtig Spass macht und womit man andere auch noch begeistern kann. GAAAAAIL :-)

 

Mit solch einer Energie fällt es mir nicht schwer, die Nachricht an meinen Chef rauszuschicken. Falls er anrufen sollte, kann ich ungestört mit ihm reden. Das ist gut. Ich will ihm nicht das Wochenende damit verderben, denn heute ist Samstag. Ich denke, das tue ich auch nicht. Er wird sich ganz sicher vorstellen können, worum es geht. Warum ich mit ihm sprechen will, zumal ich ihn über mein privates Handy angeschrieben habe. Dennoch bin ich nervös. Ruft er an, schreibt er zurück, meldet er sich erst Montag und macht mir einen Terminvorschlag? Das er sich bei mir meldet steht außer Frage. Er weiss es zu deuten, wie wichtig mir dieses Gespräch mit ihm ist. Da bin ich mir ziemlich sicher.


Am Abend - ich bin gerade auf einem Konzert - die befreiende Message. "Liebe Frau Heinrich..." Er trifft sich sehr gerne mit mir nächste Woche! Puuuuh, Erleichterung und zugleich Aufgeregtheit und die Freude darüber, dass mich mein Chef so wertschätzt. Ich kann mich nicht mehr wirklich auf das Konzert konzentrieren. Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Es ist ein riesen Schritt, der mir und vielen anderen verdammt weh tun wird. Ein riesen Stein, den ich hiermit ins rollen gebracht habe. Der Stein wird jedoch nichts kaputt machen, sondern sich in ganz viele neue Möglichkeiten zerteilen und den Weg frei machen für was Anderes, etwas Neues, dessen bin ich so bewusst wie nie zuvor.


BESONDERE MENSCHEN SEHEN MEHR IN DIR ALS ANDERE. SIE ERKENNEN DIE TRAUER IN DEINEM LÄCHELN, DIE LIEBE HINTER DEINEM ZORN UND SIE VERSTEHEN NICHT NUR DEINE WORTE, SONDERN AUCH DEIN SCHWEIGEN.

EIN HOCH AUF DIE WUNDERBAREN MENSCHEN. NIMM DIR HEUTE DIE ZEIT UND MELDE DICH MAL WIEDER BEI EINEM DIESER BESONDEREN MENSCHEN. EINFACH SO. UND SAGE IHM DANKE.