· 

TAG 29 - ES GEHT VORWÄRTS

Musik hören, Buch lesen, Podcast hören... diese Dinge gehören heute Nacht zu meinen Versuchen immer wieder einzuschlafen. Ich bin wie gerädert als der Wecker geht. Zum ersten Mal freue ich mich nicht auf das EMS Training MORGENS um acht Uhr. Ich bin müde und redefaul. Egal, nachher bin ich bestimmt froh, wenn ich dort war. Mein Trainer merkt es mir an, dass ich heute anders bin. Er bekommt es aber hin, dass wir beim Training plaudern und auch lachen. Das Training tut gut. Auf der Arbeit versuche ich mich abzulenken. Es funktioniert gut, da wir gut zu tun haben. Beim Termin mit dem Chef mit mehreren anderen Kollegen signalisiert er mir, dass ich nach Feierabend zu ihm kommen soll. Die anderen bekommen nichts davon mit, darauf achtet er.

 

Maurice ruft zum Feierabend an und gibt mir eine erste Rückinfo zu Telefonaten mit seinen Kontakten. Genau passend. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir hilft. Ich merke ja, dass ich es nicht alleine schaffe. Das Feedback einer sehr qualifizierten Neurologin und Physiologin ist, dass ich meine Situation nicht alleine in den Griff bekommen werde. Ein Klinikaufenthalt sieht sie allerdings nicht, rät davon absolut ab, da ich dort nur noch mehr heruntergezogen werde. So ähnlich hat es mir mein Hausarzt auch erklärt. Jetzt verstehe ich wenigstens seine Aussage, dass ich die anderen Patienten eher aufmischen würde und nicht dort rein passen würde. Sie empfiehlt mir eine Tagesklinink als ein zwingendes und dringendes Muss. Sie unterstreicht also meinen Entschluss, dass ich mir eine Auszeit nehmen muss. Ich brauche Hilfe und das ziemlich schnell. Sie sagt aber auch, dass ich schon sehr weit wäre, dass ich es selbst schon so erkenne, mir meinen Zustand zugestehe und offen darüber rede. Also packen wir es an. Ich will endlich wieder gesund werden! Mein klares Ziel. Mehr zählt gerade nicht.

 

Beim Chef versuche ich tapfer zu sein. Seine Frage wie es mir geht ist ernst gemeint. Wir machen einen kleinen Spass daraus. "Ich dachte Ihnen geht es wieder gut, nachdem wir gemeinsam essen waren", "dann hätten wir bei unserem Candle lite dinner ein paar Kerzen mehr aufstellen müssen", "ich hab den Knopf gefunden, jetzt geht`s mir wieder prima"... wir lachen und wissen beide, dass die Situation durchaus anders ist. Ich habe ein richtig tollen Chef. Der lockere Umgang mit ihm und die Feinfülligkeit. Das macht ihn so sympathisch. Ich liebe sein Grinsen. Darf ich das sagen? Doch darf ich. Er ist nicht ohne Grund meine absolute Vertrauensperson in der Firma.

Das Gespräch war sehr gut. Wir suchen gemeinsam nach einen Nachfolger für meine Position, überlegen wie ich wieder irgendwann einsteigen könnte, erzählen von unseren Gesprächen, die wir unanhängig voneinander hatten, reden über das Anforderungsprofil. Er findet es gut, dass ich mir Hilfe suche. Findet es gut, dass ich so offen darüber rede, ich erzähle ihm, wie schlecht es mir nach unserem Gespräch ging und wir überlegen, wie wir es in der Firma kommunizieren. Selbst hierbei blödeln wir herum. Gehört irgendwie bei uns dazu.

Redet er mit meiner Chefin, führen wir das Gespräch gemeinsam? Er hat sich sofort angeboten, dies für mich zu übernehmen. Ich entscheide mich spontan dazu, es meiner Chefin erstmal alleine zu erzählen. Sie ist bestimmt noch da. Dann habe ich es hinter mir und die Beiden können besser planen und sich besprechen.

 

Sie ist tatsächlich noch da. Sie sitzt noch mit einem Kollegen zusammen, mit dem ich ab Ende dieser Woche eh in einem Büro zusammen sitzen werde. Ich habe auf ein vier Augen Gespräch bestanden. Sie hat wahrscheinlich mit allem gerechnet, aber nicht damit. Ich möchte gar nicht wissen, was sie gedacht hat, was kommt. Vor allem, weil ich damit angefangen habe, dass ich gerade vom Chef komme. Auch dieses Gespräch war gut und sie kann nun auch einige Situationen verstehen und nachvollziehen. Dennoch merke ich, dass sie mir nicht richtig zuhört. "Wir halten Dir Deine Stelle frei, und wenn Du nach zwei Wochen wieder da bist, kannst Du ganz normal wieder einsteigen". Sie schweift auch sehr oft ab und ist tief in den Projekten drin. Ich merke, dass ich zwischendurch auf Durchzug stelle und sie reden lasse. Bin mit meinen Gedanken ganz woanders. Irgendwann sage ich dann wieder etwas "Sabine, es geht hier gerade um mich und nicht um die Projekte", "ja stimmt, Du hast ja Recht, entschuldige bitte..." Ich habe alles richtig gemacht, dass ich zum obersten Chef gegangen bin. Nicht böse gemeint. Sie meint es ja auch nur gut und sie ist in ihrem Fluss drin.

Nächste Woche habe ich erstmal Urlaub, der ist nun auch genehmigt. Ich habe die Freiheit, einfach zu Hause zu bleiben, wenn es mir nicht gut geht, eher zu gehen oder auch Termine wahrzunehmen, wenn ich zum Doc muss, um den weiteren Weg zu organisieren. Witzig ist, dass sie auch sagt, dass viele es mir gar nicht anmerken, wie es mir geht. Dass viele erstaunt sein werden. Selbst die Kolleginnen mit denen ich im Büro sitze, haben keine Ahnung von alldem. Auch meine Mitarbeiterin nicht. Obwohl ich bei ihr denke, dass sie schon etwas gemerkt hat.

 

Der nächste Schritt ist, meine Mitarbeiterin mit ins Boot zu nehmen. Das bin ich ihr schuldig. Auch hier wurde mir angeboten, das Gespräch gemeinsam zu führen oder meine Chefin macht es alleine. Ich werde es alleine machen, werde es mit ihrem Feedbackgespräch heute oder morgen kombinieren und im Anschluss gemeinsam mit ihr zu unserer Chefin gehen, um ihr die neuen Wege und Chancen aufzuzeigen und ihr die eventuelle Angst zu nehmen, wenn ich nicht da bin. Sie ist eine tolle Mitarbeiterin, sie schafft den Job souverän auch ohne mich, da bin mir ziemlich sicher.

 

Inzwischen haben wir acht Uhr. Ich habe heute nicht viel gegessen und bin erschöpft. Bin aber glücklich und dankbar über das, was heute alles passiert ist und es für mich vorwärts geht. Ich hole mir das visuelle Bild von meinem Coaching vor Augen und schlafe grinsend ein.


WUSSTEST DU, DASS MAN NICHT EINATMEN KANN, WENN MAN LÄCHELT?

PROBIERE ES AUS!

KLEINER SCHERZ, WIR WOLLTEN NUR, DASS DU LÄCHELST :))

 

- täglicher Whatapp Newsletter von Damian Richter -


Kommentar schreiben

Kommentare: 0